Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 15. Juli 2016

Sommerpause

So, bevor hier die Sommerpause beginnt, gibt es noch eine Verlosung. Nachdem bei den letzten Ratespielen bemängelt wurde, dass die Fragen zu schwierig seien, ausnahmsweise eine einfache:

Was ist eure Lieblingsstraße? 

Meine Antwort ist ja wohl klar. Eure Antwort (bevorzugt mit kurzer Begründung) entweder in den Kommentaren oder in einem Blogbeitrag (mit einem Link hier im Kommentar). Die Hauptgewinner werden ausgelost (gebt Euch mal Mühe, ich spendiere auch ein paar Sonderpreise. Ihr habt keine Ahnung, was hier alles so rumliegt.)

Als Preise gibt es ein Buch über die Invalidenstraße, ein Original-Bild von Javier Mayoral sowie ein signiertes Exemplar der Autobiographie von Eddie Argos "I formed a band". Ausgelost wird Mitte August (wenn Ihr irgendeinen Favoriten bei den Preisen habt, schreibt das doch bitte dazu). 

Damit niemand hier langweilig wird in der Pause, habe ich meine Lieblingsblogposts der ersten zwei Jahre hier unter dem Tag "Grundlagen" gesammelt. Zum neu oder wiederlesen.

Habt einen schönen Sommer! Bevor die Blätter falb werden, lesen wir uns wieder. 

Donnerstag, 14. Juli 2016

Ins fünfte Jahr



  • Nun, das vierte Jahr Ackerbau in Pankow ist abgeschlossen. Obwohl ich immer wieder Päuschen eingelegt habe, sagt die Statistik, dass ich tatsächlich im Schnitt die letzten vier Jahre jeden Tag einen Post geschrieben habe. Inzwischen weiß ich, dass vier Jahre ein kritisches Alter für Blogs ist. Viele Blogs, die ich anfangs gelesen habe, gibt es inzwischen nicht mehr. Irgendwann stellen eben viele fest, dass man nicht das erreicht, was man eigentlich gewollt hat, oder dass einem das Bloggen doch nicht so wichtig ist, dass man jeden Tag dafür Zeit aufwendet. Ich weiß zwar auch nie, ob das hier noch länger als jeweils die nächste Woche geht, da ich selten länger vorarbeite und darauf angewiesen bin, dass mir irgendetwas ins Auge fällt, was sich verbloggen lässt. Aber irgendwie ist dieses Blog für mich zwar kein Tagebuch (was ließe sich hier über mich erfahren, außer dass ich ab und zu unterwegs bin?), aber doch ein Ventil für allen möglichen Kram, der mir im Kopf rumgeht. Wenn ich das hier nicht mehr machte, müsste ich wieder ein Punkfanzine schreiben, und das kann niemand wollen.



  • Ich bin ein bisschen stolz auf diesen Blog. Ich freue mich darüber, wer hier mitliest. Ganz am Anfang hatte ich einige Blogvorbilder, von denen ich hoffte, wahrgenommen zu werden. Was natürlich nie geschah. Was passierte, war, dass ich viele Leute kennengelernt habe, die viel besser zu dem passen, was ich mache. Ich habe verschiedentlich gehört, dass der Blog den Blick weite. Wenn man hier eine Zeitlang mitlese, sehe man die Welt mit anderen Augen. Das bedeutet zwar nicht allzu viel, weil man auch die Welt anders sähe, wenn man Nagellack- oder Hautkrankheitsblogs läse; jegliches neues Interesse und jegliche neue Information führt dazu, dass man andere Dinge wahrnimmt als vorher. Allerdings gibt es in diesem Blog tatsächlich einen Auftrag, der etwas komplexer ist: jeden Tag irgendwelche Dinge zu berichten, die absolut belanglos sind. Staunen über die Dinge, die einem in der Stadt präsentiert werden. Mit dem nicht immer durchzuhaltenden Vorsatz, hier alles außer Acht zu lassen, was ansonsten als bloggenswert angesehen wird. Mein Ansatz ist eher, die Stadt wie einen Rorschach-Test zu nehmen. Ein Bild wird gezeigt und man teilt seine Assoziationen mit. Das hat (natürlich) wenig mit der Umgebung zu tun und viel mit dem, was einem durch den Kopf geht. Was mir gut gefällt, ist, dass auch die Leser die Gelegenheit gerne wahrnehmen, ihre Assoziationen los zu werden. Mehr Beiträge als man ahnt, werden hier geschrieben, weil ich irgendein Zitat oder eine Anspielung unterbringen will oder weil es mir Freude macht, einen Satz einem anderen Satz, den ich irgendwo gelesen habe, nachzubilden und hier geschrieben zu sehen. Immer sind die Beiträge auch ein Köder, der ausgeworfen wird, um zu sehen, wer denn wohl anbeißt. 

    Ich denke, dass ich die meisten meiner Leser kenne (der Betrieb hier ist einigermaßen überschaubar). Mir scheint es, als gäbe es hier alle paar Jahre einen Wechsel; wahrscheinlich werden die Posts hier nach ein paar Jahren auch langweilig und man findet andere Interessen; alle Leser, die von meinen Wiederholungen und Widersprüchen gelangweilt oder genervt sind, haben die Option, sich andere Lektüre zu suchen. Ich habe diese Option leider nicht, auch wenn ich selbst häufig genug von mir genervt bin. 

    Was war los im letzten Jahr? Ich wäre hier nichts, wenn nicht viele Leute mich verlinkt hätten. Ich darf hier vielen danken, dem Kiezneurotiker, dem Kiezschreiber, Frau Tonari, Frau Hafensonne, OLe, Frau Kirschblüte, Gitta, der Papierfrau, Elke, Werner von Nurmalich, Nervenruh, Anne von Notizen von Unterwegs, Frau Meinigkeiten, Christiane, Friederike vom Landlebenblog, dem Voodooschaaf, Rosen-Ruthie, Torsten, Mirjam von der Tauschlade, Fellmonsterchen, Windsprite, Fjonka... (tendenziell ist das hier wohl ein Blog, der eher von anderen Blogbetreibern als von anderen Lesern geschätzt wird..)

    So waren die beliebtesten Posts auch diejenigen, die von Dritten verlinkt wurden. Am durchschlagendsten immer der Kiezneurotiker: Der Gartennazi, Materialien zur Sexualisierung des Grundschulunterrichts, Bedeutende Dienstreisen (9) gehören zu den meist gelesensten Posts des letzten Jahres (Lehre daraus: Nazis oder Sex ziehen immer). Auch bei den beliebtesten Posts: Der Tag der urbanen Schönheit, das erste Blogprojekt, das ich gestartet habe. Hat großen Spaß gemacht. Einer der eher seltenen ernsten Posts, Grundsätzliches, eine Positionsbestimmung im Angesicht des IS-Terrors, ebenfalls in den Top-Fünf. 

    Vieles, was ich gerne geschrieben hätte, wurde nicht geschrieben, sei es, weil man dazu besser fotografieren können müsste, besser schreiben können müsste, mehr nachdenken müsste, mehr Zeit bräuchte. Ich bin in verschiedener Weise limitiert, das ist nicht weiter schlimm, allerdings wird dann Ackerbau in Pankow nicht das Kaleidoskop der wunderbaren Dinge, das es vielleicht sein könnte. Andererseits, wahrscheinlich besser so. Ich habe schon mehr als eine Band gesehen, die langweilig wurde, weil sie auf einmal richtig spielen gelernt hat. 

    Auch im vierten Jahr bin ich von irgendwelchen Pöbeleien oder Unverschämtheiten verschont geblieben; das liegt sicher auch daran, dass der Blog hier nicht unbedingt meinungsstark ist; hier etwas zu lesen und dann festzustellen, ob man dafür oder dagegen ist, ist eine eher komplizierte Sache. 

    Vielen Dank allen treuen und nicht so treuen Leserinnen und Lesern. Bevor es in die Sommerpause geht, gibt es morgen noch eine Verlosung. 

    Mittwoch, 13. Juli 2016

    Besuch im Nebenzimmer (20)

    Was war die letzten Wochen so im Zweitblog los?


    Zuerst mal wieder ein verspäteter Nachruf. Dickie Hammond, der Gitarrist von Leatherface, ist letztes Jahr gestorben. Leatherface waren eine der Bands der frühen Neunziger, die mir den Glauben an Gitarrenmusik wieder gegeben haben. I want the moon war ein prima Lied. Als nächstes ein Novum: Eine App-Empfehlung. Radiooo, eine App für alle, die sich wünschen, einmal Musik der 50er Jahre aus Zentralafrika oder kontemporäre Grooves aus Weißrußland zu hören. Also eher nichts für meine Familie, ich finde es aber prima. Im Anschluss eine kurze Erinnerung an die italienische Band Negazione, tutti pazzi, alle bekloppt (es gab einen Grund, warum ich an dem Tag an dieses Lied gedacht habe, ich habe ihn leider vergessen und auch nicht in den Post geschrieben). Ein kleiner Konzertbericht über die formidablen North Alone und die vergnüglichen Skinny Lister. Leute, die auf Fotos von Frauen in  Polkakleidern abfahren, die auf Kontrabässen stehen, kommen aber dermaßen auf ihre Kosten bei diesem Post!  Endlich einmal wieder Griechen! Ein Lied über die Schrecken der Flut, gesungen von Markos Vamvakaris.  Gezwungenermaßen ein paar Lieder über Fußball: Die wunderbaren Serious Drinking, mit einem zarten Hooligan-Liebeslied. Danach Gerd Müller. Ohgottohgottohgott. "Ich habe Kartoffelbrei aber kein T-Bone-Steak" singt Neil Young etwa 10 Minuten lang zu einem repetitiven Gitarrenriff, aber da er Neil Young ist, darf er das.  Anschließend ausnahmsweise Musik, die noch kein halbes Jahr alt ist,  Sonic Boom Six mit dem klugen "From the fire in the frying pan".  Nach dieser schönen kontemporären Musik aber gleich wieder nostalgischer Kram: Ein Abend in der Stadt bringt mir ein Wiederhören mit der ersten Dinosaur Jr.  Platte, also down the memory lane. 

    Die nächsten Posts beschäftigen sich dann mit der (für mich erschütternden) Entscheidung der Briten.  Zwei längere politische Einordnungen, "Die Apokalypse in einfachen Schritten erklärt" und "Anarchy in the UK", eine geschichtliche Reminiszenz, die nicht so richtig passt, kurzer Rückblick auf das Griechendrama vom letzten Jahr, und die richtige Einordnung des Plebiszits von den Minutemen, die es schon vorher gewusst haben.   

    Die gesammelten Inhaltsverzeichnisse des Zweitblogs finden sich wie immer unter dem Tag Nebenzimmer. Aber jetzt ist erst einmal Sommer. 


    Montag, 11. Juli 2016

    Fuck yeah Düsseldorf (2)

    Ich war zu streng mit Düsseldorf. Am Wochenende war ich zum ersten Mal seit dreißig Jahren einmal wieder länger dort, und ich muss sagen, die Stadt ist nicht so übel. Das nächste Mal muss ich aber daran denken, dass es keine gute Idee ist, ein Hotel in der Altstadt zu buchen, wenn man nachts schlafen will.




    Palmen, eingesäumt von alten Reifen. Was will man mehr?


    Ansonsten: Die Leute sind besser gekleidet als in Berlin, in Berlin gibt es wohl auch keine großen Tresorläden.





    Und: So ungern ich es zugebe, die Toten Hosen hatten wohl recht, als sie sangen, dass in Düsseldorf niemand irgendwelche Sorgen hat. Anders sind solche Schlagzeilen nicht zu erklären:

    Sonntag, 10. Juli 2016

    Berlin durch die Jahre (5)

    "Berlin ist leer. Die wenig belieben Berliner und Berlinerinnen haben sich teils in die Ostsee ergossen, teils in die Wälder verflogen, teils die Familien in der Provinz besucht, aus der sie stammen. Soweit sich in den Straßen noch etwas bewegt, bewegen sich dort die Fremden, wie wir hier in Deutschland Gäste zu nennen pflegen."

    Herwarth Walden, 04.08.1925, "Erholung in Berlin" in: Weltbühne, 21. Jhg., Heft 31

    Samstag, 9. Juli 2016

    Tomatenampel



    Es wird langsam, es wird.

    Ich habe jetzt auch einmal die ersten Jelly-Kartoffeln geerntet (eigentlich mittelspät). Sie sind tatsächlich so gut für Ofenpommes, wie ich mir das vorgestellt habe.