Everybody's fucked in his own special way

Donnerstag, 23. Februar 2017

Ein Bad in Sinnlichkeit

(Tatsachenbericht.)

Ich nehme eigentlich nur Vollbäder, wenn ich mich krank fühle oder am Tag vorher etwas viel gefeiert habe, beides kommt recht selten vor. Gestern kränkelte ich und ließ mir ein heißes Bad ein, als Schaumbad hatten wir kein Erkältungsbad mehr, sondern etwas, das sich "Sinnlichkeit" nannte. Ich kann also berichten, dass ein Bad in Sinnlichkeit so ist, als würde man sich in heißen Früchtetee setzen, nur nicht so klebrig.

(Eine brauchbare Einkaufsstrategie scheint mir ohnehin zu sein, keine Waren zu kaufen, die wie Gefühlszustände heißen. Also: Schaumbad "Palmfett-Sauerkraut" ist in Ordnung, Schaumbad "Wilde Extase" nicht. Tee "Ingwer-Mettwurst" geht, Tee "Kleiner Flirt" nicht.)

Montag, 20. Februar 2017

Vier bemerkenswerte Geburtstagsfeiern

Der 28. Geburtstag: Ich war gerade für ein Jahr in Edinburgh. Ich hatte ein Zimmer in der Wohnung eines britischen Pärchens, die an Studenten vermieteten. Zu meinem Geburtstag hatte ich Mitstudenten zum Essen eingeladen, ich machte Krautspatzen (fast unmöglich, damals in Schottland vernünftiges Sauerkraut oder Mehl zu kriegen). Die deutschen Mitstudenten fraßen begeistert, die anderen vertretenen Nationen nahmen höflich einen Teller und hatten dann keinen Hunger mehr. Nach der Feier nahm mich der Vermieter zur Seite und teilte mir mit, dass seine Frau Fiona es nicht gut fand, dass so viele Leute in der Wohnung waren, und dass ich mir doch ein anderes Zimmer suchen sollte. Freundliche Mitstudenten haben mir dann später folgende Tasse geschenkt.

Der 33. Geburtstag: Umzug von Mitte nach Pankow. Nachdem die wichtigsten Kisten ausgeräumt waren, scheitern wir daran, eine Kneipe in der Nähe zu finden. 

Der 36. Geburtstag: Unternehmensevent in Washington DC.  Nur ein Kollege weiß, dass ich Geburtstag habe, ich verdonnere ihn zum Schweigen. Wir sind eingeladen zu einem Abendessen in einem feinen italienischen Restaurant in Washington, die Speisekarte ist absurd. Das Wasser schmeckt nach Chlor, die Spezialpasta ist mit Liebstöckel, so dass sie schmeckt wie Spaghetti mit Maggi-Würze. An diesem Abend fasse ich den Entschluss, dass ich schleunigst den Arbeitgeber wechseln muss. Es gelingt mir innerhalb von 8 Monaten. 

Der 40. Geburtstag: Ich verbringe ihn auf einem Firmenevent hoch über den Dächern Berlins, bei dem zwei Führungskräfte verabschiedet werden. Der eine war auch mein Chef, einer der wenigen Menschen, die ich kennengelernt habe, von denen ich sicher bin, dass sie böse waren. Als Unterhaltungsprogramm singt jemand schweinische Chansons aus den Zwanziger Jahren; das und die Location haben anscheinend so viel gekostet, dass das Essen wirklich inakzeptabel ist. Abgesehen von einer Lieblingskollegin sitze ich zwischen lauter unangenehmen Leuten. An diesem Abend fasse ich den Entschluss, dass ich schleunigst den Arbeitgeber wechseln muss. Ich schaffe es innerhalb eines Jahres. 

Sonntag, 19. Februar 2017

Kathedralen

Tikerscherk hat letzthin ein Foto von ihrem Hausflur eingestellt und mit dem schönen Schlagwort "Kathedrale" versehen, weil durch ein Graffiti an dem Türglas das Licht wie durch ein farbiges Glasfenster einer Kathedrale fällt.

Ich mag Glasfenster in alten Kirchen, den Augenblick, wenn die Sonne die Fensterrose erreicht, und die Dunkelheit von farbigem Licht durchbrochen wird. In der DDR gab es anscheinend auch eine Glasmosaik-Tradition - in einem Bibliothekssaal der Humboldt-Universität las man unter einem monumentalen gläsernen Lenin (die Darstellungen waren ja meist ähnlich ikonenhaft wie bei den Heiligen). Die modernen Glasfenster finde ich meistens nicht mehr so beeindruckend, deswegen finde ich es schön, den Kathedraleneffekt an anderen Stellen zu suchen. Und wie es immer ist, wenn man auf eine Sache hingewiesen wird, über die man vorher noch nicht nachgedacht hat, sah ich einen Tag nach dem Post von Frau Tikerscherk auch ein solches modernes Glasfenster - den Effekt verdanken wir einem S-Bahn-Schmierer, der sicher selbst am meisten überrascht darüber wäre, dass er in einen Zusammenhang mit alten Glasfenster-Meistern gebracht wird.


Samstag, 18. Februar 2017

Bedeutende Dienstreisen (25) - Deja vu



Der Tag beginnt mit unheilvollen Vorzeichen. Punkt 0 Uhr steht die Katze vor der Schlafzimmertür und maunzt bedrohlich. Sieht sie Geister? Ist sie selbst besessen? Wir werden es nie erfahren, denn ich bin ja nicht blöd und stehe auf. 


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Kurz nach fünf ist das bestellte Taxi noch nicht da. Ich gehe ein bisschen die Straße entlang und finde ein Taxi, das langsam den Bürgerpark umkreist. Er habe die Straße nicht gefunden, meint der Taxifahrer. Gut, dass ich ihn gefunden habe, so komme ich pünktlich zum Flughafen. 

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Frau Ackerbau schickt mir ein Foto von etwas, was der Kater hineingetragen hat. Überlege kurz, einen Fünftblog „What the cat dragged in“ zu eröffnen, der sowohl für Katzen- als auch für Splatterfans geeignet wäre. Wahrscheinlich aber doch nur für die Schnittmenge dieser zwei Gruppen. Damit lässt sich dann auch kein Geld verdienen. 


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Ich habe wieder Gelegenheit, den Enteisungsmaschinen bei ihrer Arbeit zuzusehen. Irgendwie sieht das immer so aus wie in einem alten Science-Fiction-Film.


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Sitzung in einem wirklich schönen Besprechungssaal, der so riesig ist, dass gut dreißig Teilnehmer im Kreis sitzen können. Der Gastgeber verrät mir, dass hier ansonsten Besprechungen gehalten werden, bei denen keiner der Beteiligten in der zweiten Reihe sitzen wolle, deswegen sei die Bestuhlung so zweckmäßig. Es geht um klassische Themen, wie bürgerkriegsähnliche Zustände und Onroad/Offroad Parking


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Ich habe zwei Präsentationen dabei, eine halte ich gleich gar nicht, weil keine Zeit mehr ist, bei der anderen stelle ich fest, dass sie nach zwei Folien aufhört, obwohl ich eigentlich fünf gemacht habe. Muss mir merken, dass es ein guter dramatischer Effekt ist, wenn man ankündigt, jetzt wollen wir mal die Ergebnisse ansehen, und dann sogleich eine leere Leinwand kommt. Noch besser ist natürlich der dramatische Effekt, wenn einem selbst auch bewusst ist, dass keine Folie mehr kommt.


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Ich bekomme Nachricht, dass in Berlin gestreikt wird, mein Rückflug scheint aber einer der letzten zu sein, der noch geht. Da ich schon das letzte Mal gezwungenermaßen den Zug von Stuttgart nach Hause nehmen musste, wäre das auch ein bisschen zuviel des Guten. Die Berliner Streiks sind immerhin gut gemischt, erst zwei Tage Schulen, dann ein Tag Bodenpersonal. Der Schulstreik führte zu familiären Grimm, da nur bei J.S. und nicht bei J.J. gestreikt wurde. 


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Am Flughafen tut sich erstmal lange nichts, es wird eine Verspätung von 45 Minuten angekündigt, wenigstens nicht annulliert wie die anderen Flüge nach Berlin. Irgendwann können wir in den Bus einsteigen, der fährt allerdings lange nicht los. Im Flughafenbus der völlig irrationale Impuls, zu dem Herren neben mir: "Aus dem Weg, du Schwammerlkopf" zu sagen.  Nach zehn Minuten teilt uns der Fahrer mit, dass wir wieder aussteigen dürfen. Der Flug wurde doch annulliert. Wenigstens weiß ich schon, was man in solchen Fällen machen muss; gleich zum Ticketschalter, Bahnticket holen und zum Hauptbahnhof hüpfen. Die Ankunft in Berlin verschiebt sich damit um 5 Stunden. Ich bitte mein Büro, mir für den Zug einen Platz reservieren zu lassen, bekomme aber nach 15 Minuten die Nachricht, dass man keine Plätze mehr reservieren könne. Der Zug sei dicht.


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Man muss aber zugeben, dass der Stuttgarter Bahnhof interessant aussieht. Da muss ich mir mal ein bisschen mehr Zeit für nehmen. 



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Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt wird dann doch ein Sitzplatz frei. Kann man nicht meckern (wie schon letztes Jahr hier geschrieben: Ich rege mich über Reisekatastrophen nicht mehr auf. Bringt ja nichts.) Ich sitze an einem Vierertisch, mir gegenüber ein schwerer Herr mit traurigen Augen (nein, kein Spiegel), der mir immer gegen das Schienbein tritt und mich gelegentlich anhustet. Er lagert seine benutzten Papiertaschentücher auf dem Tisch zwischen uns. Neben ihm ein weiterer schwerer Herr mit Schnurrbart, der eine Schlafbrille und Ohrenstöpsel dabei hat und uns während der Fahrt etwas vorschnarcht. In der S-Bahn vom Hauptbahnhof nach Hause sitzt neben mir ein Asiate mit einem Berlinale-Programm und einer großen Spiegelreflexkamera. Er sieht sich auf seinem Handy sehnsüchtig Facebook-Fotos von jungen Frauen an, schließt die Fotos und öffnet sie dann gleich wieder, immer wieder, immer wieder.

Ich werde mich nicht mehr darüber beklagen, dass die Reisen inzwischen zu langweilig seien. 

Freitag, 17. Februar 2017

Das große Berlin-Quiz!

Spaß für die ganze Familie!


Ist das..
a) Protest gegen die Massenüberwachung?
b) Protest gegen das Elektroaltgerätegesetz?
c) irgendetwas mit Berlinale?
d) das Werk eines Deppen?




Ist das...
a) eine Outdoor-Cocktailkneipe?
b) räumlich sehr eingeschränkter Extremhagel?
c) man hat schon Pferde Eiswürfel kotzen sehen?
d) das Werk eines Deppen?

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Die wahren Berliner Rätsel werden aber nie ergründet:

Bei den Straßenbahnschienen:

- lauernder Echsenmensch


- oder grinsender Totenkopf?



Schreibt eure Lösungen auf eine Postkarte und werft diese euren Nachbarn in den Briefkasten!