Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 4. September 2015

Stöckchen

(Alle heiligen Zeiten mache ich mal bei Blogger-Stöckchen mit. Normalerweise aber nicht. Ich schreibe den ganzen Tag so viel fremdbestimmtes Zeug, dass ich diesen Blog hier als Reservat sehe, in dem wirklich nur Dinge stehen, die ich auch geschrieben sehen will. Aber Friederike vom Landlebenblog, den und die ich nicht missen möchte, hat mir ein paar Fragen gestellt und ich bin ja der Auffassung, dass wir Paul-Gerhardt-Fans zusammenhalten müssen.)

Warum hast Du angefangen zu bloggen?
Ich hatte die Welt der Blogs erst spät, so gegen 2008/09 entdeckt und wollte eigentlich auch einmal so etwas machen. Großes Problem war allerdings, dass ich der Welt nichts mitzuteilen habe. Es hat dann ein paar Jahre gedauert, bis mir klar wurde, was ich gerne schreiben würde. Ende 2011 bekam ich ein Tablet geschenkt, das hat das Ganze beschleunigt, weil ich mich nach der Arbeit so gut wie nie an den Computer setze. Der zweite Auslöser war mein erstes Smartphone mit Handykamera. Schöne Fotos spielen bei mir ja keine Rolle, ich wollte aber immer ein gewisses visuelles Element dabei haben. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, dass ich wusste, wie man Tag für Tag das Internet füllen könnte. Wenn ich auch nur ein bisschen Ahnung gehabt hätte, hätte ich's erst gar nicht versucht, deswegen ist es manchmal ganz gut, wenn man keinen Plan hat.

Wissen Freunde und Familie von der Bloggerei?
Größtenteils; es ist kein Geheimnis, ich mache aber auch keine Werbung für meinen Blog. Ich habe relativ wenig Lust, Leuten zu erklären, warum ich Aufnahmen von Straßendreck ins Internet stelle, wenn sie's nicht von allein verstehen. 

Und lesen die das etwa auch?
Die Familie schon, ansonsten bewege ich mich in Kreisen, die mit Blogs nichts anfangen können. Tagebuchblog war das hier ja ohnehin nie; wenn man absolut anonym bliebe, könnte man noch über ein paar andere Dinge schreiben. Ich stelle auch über die Familie nichts mehr ein, was nicht vorher von den Betroffenen gutgeheißen wurde; das führt dazu, dass hier einige sehr amüsante Sachen nicht mehr stehen, aber ich habe keine Lust, meine Kinder vorzuführen, wenn sie's nicht wollen. Auf mich selbst brauche ich allerdings keine Rücksicht zu nehmen. 

Hast Du eine Bloggerbotschaft an die Welt?
(Das sollte eigentlich meine geheime Agenda bleiben.) Man kann Schönheit in allen Dingen finden, wenn man nur will. Und die Dinge, die einen freuen und glücklich machen, sind meistens keine, die man irgendwo kaufen könnte. Man soll sein Herz nicht hängen an Dinge. Deswegen vermeide ich es weitgehend (wenn auch nicht ganz konsequent) über irgendetwas zu schreiben, was man kaufen kann. Meine gelegentlichen Bier-Posts bitte ich zu verzeihen. 

Liest Du auch noch Zeitungen?
Ja, wir haben eine Tageszeitung (Berliner Zeitung, die ich abonnieren werde, solange Jens Balzer dort schreibt), am Wochenende die FAS (man muss ja wissen, was die Leute vor 50 Jahren so gedacht haben (das hat Katja Berlin, glaube ich, mal so formuliert), als Zeitschrift die Zitty (Berliner Stadtmagazin, leider nunmehr ohne Fil und Didi und Stulle), den Spiegel (immer das Abbestellen vergessen, gerade geht er aber wieder), das Ox-Fanzine (auch wenn ich keine Bands mehr dort kenne)..... Wenn es zum Zeitungssterben kommt, ich bin jedenfalls nicht schuld.  

Bist Du online und offline gleich?
Meine Frau meint: Ja. Ich bin mir nicht so sicher, da ich bei meiner Online-Persona bestimmte Dinge ausspare. Grundsätzlich schreibe ich aber nichts, was ich nicht auch sagen würde. Da ich aber nicht weiß, was für einen Eindruck man von mir aus meinem Blog bekommt, kann ich schlecht sagen, ob er zutreffend ist. Im Zweifel bin ich ein Stück spießiger als es hier scheint. Aber grundsätzlich finde ich meine Offline-Existenz so prima, dass ich mir keine abweichende Online-Existenz zusammenträumen muss. 

Hast Du schon mal Internetbekanntschaften im realen Leben getroffen?
Ja, das war bei dieser Bloggergeschichte eigentlich das Spannendste. Und ich habe damit durchgängig gute Erfahrungen gemacht. Es gibt viele nette Leute. 

Was machst Du in computerfreien Zeiten?
Bücher lesen. 

Hast Du überhaupt längere computerfreie Zeiten?
In der Fastenzeit haben wir immer eine Woche ohne elektronische Geräte, ansonsten eher weniger. 

Wie gehts Dir, wenn Du momentan die Welt betrachtest?
Ich mache mir Sorgen, auch wenn ich daran denke, was unsere Kinder noch alles erleben werden. 

Magst Du Schnitzel mit Pommes?
Schmeckt sicher gut, in einem Restaurant würde ich aber immer irgendetwas anderes bestellen. Ich bin eher der Gemüsetyp. (Das ist doch der ideale Schlusssatz.)

(Ich hoffe, es wird gewürdigt, dass ich hier Bildchen untergebracht habe, die mir sonst für einen halben Monat reichen würden.)

Mittwoch, 2. September 2015

This is the end of something

Oft habe ich es schon beschworen, jetzt ist es wirklich so weit: Die Invalidenstraße ist fertig. Man kann sie wieder durchfahren, vom Nordbahnhof bis zum Hauptbahnhof, es gibt keine Baustellen mehr, es fährt sogar die Straßenbahn. 

Wer hier ein bisschen länger mitliest, weiß, was das für diesen Blog bedeutet. Die geliebten eineinhalb Kilometer Fußweg in der Früh finde ich gerade unerträglich. Ich kann zwar beim Nordbahnhof den anderen Ausgang nehmen und die Zinnowitzer entlang gehen, wo sie jetzt die Straße aufreißen, aber, ach, das ist nicht dasselbe. 

Drei Jahre lang hat diese Straße ihr Innenleben offenbart, haben Bauarbeiter merkwürdige Dinge ausgebuddelt und andere Dinge wieder eingebuddelt, haben asphaltiert, aufgerissen, asphaltiert. Man ging dran vorbei und hatte das Gefühl, in Berlins Eingeweide sehen zu können. Nun ist's vorbei. 

Zunächst habe ich gedacht, naja, Berlin, da kommt sicher gleich wieder etwas. Aber nun hat auch das Verkehrsministerium nach einem Dreivierteljahr geschafft, die merkwürdigen Schläuche und Drähte zu verräumen. So sieht's jetzt aus:

Ist das nicht trostlos? Your typical city involved in a typical daydream. 

This is the end of something. 

Die werte Leserschaft sehe es mir nach, dass ich aus diesem Anlass mal einen Tag pausiere


Dienstag, 1. September 2015

Im Bunker

(Zugleich ein Beitrag zu Rosen-Ruthies "I see faces"-Projekt.)


Auch heute etwas Militaristisches aus dem Technik-Museum. Der Zwei-Mann-Bunker guckt nicht sonderlich helle. Ich bin froh, dass ich so etwas nicht mehr kennen gelernt habe und hoffe, dass das auch unseren Kindern erspart bleibt (ich habe hier noch einen Panzer, der eigentlich ganz putzig dreinsieht, aber nein, nein, nein). Kommt mir hier nicht auf den Blog, egal wie freundlich er guckt).

Dafür ein paar versöhnlich-tomatige Bonustracks:


Eigene Tomaten auf eigenem Brot schauen hoffnungsfroh in die Welt (das tragische Ende verschweige ich besser).

Hat hier nicht letzthin jemand nach Monstertomaten gefragt? Einen Alien habe ich noch im Tomatenhaus:



Montag, 31. August 2015

Sonne statt Reagan

(Zugleich ein Beitrag für Frau Tonaris Rost-Parade.)

Schon wieder ein Monat um? Habe ich ein Glück, dass ich offenbar von Rost umgeben bin und immer noch etwas für die Rost-Parade finde. Nachdem das Weltenmotto für die nächsten Jahre ja ohnehin "Everything falls apart", alles geht kaputt, zu sein scheint, findet sich aber immer genügend Korrosion. 

Bei unserer Urlaubsreise haben wir auch eine Station in dem Technikmuseum in Sinsheim gemacht, wo man sich viele Autos, Flugzeuge und Traktoren ansehen kann, wo es aber auch viel Militärgerät herumsteht. Man kann sich dabei Gedanken machen, was für Leute sich eine Re-Inszenierung eines Afrika-Korps-Camps mit Freude ansehen, aber was soll's. Den Rost an den vielen Panzern, die im Museum ausgestellt sind, sehe dann zumindest ich mit Freude. 

Damit bin ich das eine Mal einig mit Herrn J.B., über den ich seit Beginn der Rost-Parade nachgedacht habe, ganz einfach, weil er eines der wenigen Lieder gesungen hat, in denen das Wort Rost vorkommt. Da ich ja hier eine etwas lose Verpflichtung eingegangen bin, thematische Rost-Lieder zu liefern, hatte ich schon immer die Befürchtung, einmal auch darauf zurückgreifen zu müssen. Voila. Joseph Beuys, dessen Gesang ich die gleiche Wertschätzung entgegen bringe wie seinen sonstigen Werken, mit einem Lied, das uns noch einmal in die Achtziger Jahre bringt, vielleicht auch diejenigen, die wie ich niemals mehr dort hin wollen*: Sonne statt Reagan. Jetzt muss man sehr stark sein, das ist Kunst, das kann nicht weg. 

Sonntag, 30. August 2015

Ein temporärer Gast

Wir hatten die letzten drei Wochen eine Pensionskatze während des Urlaubs von Bekannten. Jetzt, wo der Katzenbauler weg ist, fühlt sich das Haus sehr leer an und man denkt immer noch unwillkürlich darüber nach, ob man die Türen aufgelassen oder zugemacht hat. Andererseits kann man sich jetzt sicher sein, dass das Waschbecken frei ist und keine Katze drin schläft und die nächtlichen Störungen haben auch ein Ende. 

Als der Katz wieder abgeholt wurde, konnte mir S., der eigentliche Katzenpapa, auch eine Sache erklären, die mir ziemliches Kopfzerbrechen bereitet hatte. Der Katz hatte häufig irgendwo gelauert und wenn man nichtsahnend an ihm vorbeiging, sprang er plötzlich hoch und versuchte, einen mit der Pfote ins Gesicht oder auf die Brust zu klatschen. Danach haute er blitzartig ab. Wenn man gerade in der Früh zum Zähneputzen geht, kann das schon ein bisschen traumatisch sein. S. hat mir nun erklärt, dass er mit dem Katz immer ein Spiel spielt, bei dem sich beide gegenseitig abklatschen. Der Katz hat nach dem Abhauen also immer erwartet, dass ich ihm hinterherstürme und ihn auch abklatsche und war wohl hochbetrübt, dass ich nichts dergleichen tat, sondern erstmal wieder meine Fassung suchte.....

(Ja, ich weiß, wieder ein paar Wochen mit potenziellem Cat content ungenutzt verstreichen lassen...)

Samstag, 29. August 2015

Kurze hypothetische Kontrollfrage

Wenn ich selbst in Not wäre, wie erginge es mir, wenn alle anderen Menschen das gleiche Maß an Hilfsbereitschaft hätten wie ich selbst gerade?

(Da ist bei mir noch Luft nach oben, aber man kann ja anfangen und sich bessern. Heute ist sicher ein guter Tag dafür).
Oder klassischer formuliert. Und auch das stimmt heute noch.