Everybody's fucked in his own special way

Dienstag, 10. Dezember 2013

McCartney-Scheiße (2)

(Fortsetzung von hier und Schluss)

Mein Urlaub neigte sich nach vielen Wochen dem Ende zu, auch wenn mir noch nicht so recht klar war, was ich in Deutschland dann weiter machen sollte. Ich hatte als letzte Station, wie so häufig, den Norden von Korfu, von hier aus konnte man dann mit der Fähre nach Ancona und dann mit dem Zug nach München. Noch war es aber nicht so weit, und ich hatte meine Hängematte zwischen den alten Olivenbäumen aufgespannt. 

Manchmal ging ich abends den Kilometer bergauf zu Elyseos, manchmal blieb ich auf dem Campingplatz. An diesem Abend saß ich mit ein paar Engländern und Finnen zusammen. Einer der Finnen hatte blauschimmerndes schwarzes Haar, und eine Statur, dass er jeden anderen ohne große Mühe hochheben und durch die Luft schleudern hätte können. Seine Freundin war auch dunkel, aber schmal, und sein Kumpel sah dafür blond und dünn aus, wie man sich einen Finnen vorstellt. Ich habe keine Ahnung mehr, wie sie hießen. Die Engländer kamen aus London, es gab zwei Pauls und einen Ian. Wir hatten uns ein paar Flaschen Rotwein besorgt und für eine Gitarrensession verabredet. Zunächst klimperten wir uns abwechselnd so durch.

Als ich mein Beatles-Heft herausholte, erklärte der große Finne, dass er zu einem weltweiten Beatles-Fan-Club gehöre, der jedes Jahr eine geheime Abstimmung zu den besten Beatles-Liedern mache. Was denn hier meine Position sei? Ich erklärte, dass ich natürlich die Lieder von John Lennon und George Harrison schätze und nicht die .... hm.... McCartney-Scheiße. Der Große verschränkte seine Arme, sah seinen Kumpel an und nickte wohlwollend. Das sei die richtige Einstellung. Offensichtlich hatte ich die Prüfung bestanden. Wir begannen zu spielen, natürlich unter Auslassung der McCartney-Kacke. Ich begann mit "I'm only sleeping", das meine arg begrenzten gesanglichen Fähigkeiten nicht überanstrengte. Es folgten von meiner Seite einige Harrison-Lieder, "Long, long, long", "Something", "I me mine", die Finnen spielten "Revolution", "I feel fine", "And your bird can sing" und vieles mehr. Der Abend war schon weit fortgeschritten, einzelne Campingplatzbewohner hatten sich zu uns gesellt, weil sie bei unserem Krach ohnehin nicht schlafen konnten. Mir machte etwas Sorgen, dass einer der Pauls immer näher zu der Finnin rückte, der große Finne sah es entweder nicht oder er machte sich nichts daraus. Inzwischen war man durch die Lennon und Harrison-Lieder durch, hatte schon einigen Wein intus und kramte auch ein paar McCartney-Lieder heraus - es war ja nicht alles schlecht - es gab ja auch ein paar, die man noch hinnehmen konnte, nicht diesen süsslichen Kram. Also folgten "Helter Skelter", "Paperback Writer", "She's a woman" und "I saw her standing there". Irgendwann wollte ich meine Gitarre, die schon reichlich merkwürdig klang, nachstimmen, der große Finne hob jedoch abwehrend seine Hand:

- In Finland, every guitar is tuned.


Also spielten wir so weiter, merkwürdigerweise immer mehr und immer sentimentalere McCartney-Lieder. Ja, die Lieder seien ja nicht so toll, aber ein paar seien doch ganz nett. Und der schmale Finne nahm die Gitarre und begann eine herzzerreißende Darbietung von "Here, there and everywhere". Bei ihm klangen ein paar Zeilen zwar etwas merkwürdig, wie z.B.  "watzing your eyes", aber das Lied, das ich vorher für reinen Schmalz hielt, ist mir seit diesem Zeitpunkt ans Herz gewachsen. Ich spielte "Rocky Racoon", ein Lied, für das es eigentlich auch keine Entschuldigung gibt, brachte alle zum Lachen, weil ich Akkorde und Text komplett durcheinander brachte.

Am Schluss hatten wir uns fast durch den ganzen Katalog gespielt, als nicht akzeptables Mc Cartney-Gebiet blieb gerade noch Let it Be  übrig. Wir sammelten die Flaschen auf, der große Finne beordnete seine Freundin wieder zu sich, der Teil des Publikums, der eingeschlafen war, wachte ob der plötzlichen Stille wieder auf und konnte sich keinen Reim auf die Situation machen und verschwand schnell im Zelt.

Die Finnen fuhren am nächsten Tag weiter. Bevor es für mich zurück nach Deutschland ging, gab es auf dem Campingplatz neue Gäste, noch mehr Musik und einen Gewittersturm. Aber das wäre eine andere Geschichte, in der die Beatles dann nicht mehr vorkommen.

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