Everybody's fucked in his own special way

Montag, 10. April 2017

Brauchtumspflege (2)

Der zweite Versuch mit dem Schafkopf-Stammtisch war nicht ganz so erfolgreich wie der erste: Ich habe über drei Stunden etwa einen Euro verloren. Und so richtig sicher bin ich immer noch nicht. Wieder wurde so manche meiner ausgespielten Karten mit eisigem Schweigen begrüßt, der nächst sitzende Spieler sagte dann mit schmalen Lippen :"Interessant." Da allerdings ein vierter Mann benötigt wird, waren alle trotzdem nett zu mir.

Damit ich das nächste Mal (das vor Sommer wohl kaum stattfinden wird) nicht wieder so dilettantisch da stehe, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich meine Fähigkeiten verbessern kann. Frau Ackerbau machte mich darauf aufmerksam, dass es dazu sicher irgendwelche Schafkopf-Apps gebe. Zuerst wollte ich nicht so recht, habe dann aber "Schafkopf am Stammtisch" heruntergeladen. Ich verbringe zwar relativ viel Zeit online, aber bislang eigentlich nicht mit irgendwelchen Spielen. Das hat sich jetzt erst einmal geändert, da ich das Wochenende alternierend mit Gartenarbeiten und mit Marie, Sepp und Konrad beim Zocken verbracht habe. Ein paar Stunden haben aber in der Tat genügt, um meine Fähigkeiten wieder einigermaßen auf Stand zu bringen. Die virtuellen Spielkameraden sind geduldig, machen immer wieder die gleichen Kartenspielersprüche ("da sitzt der Hund drauf", "mit der Alten" etc..) und werden nicht ausfällig. Im Gegenteil zu mir in den ersten Stunden, in denen ich mich maßlos aufregen musste über die Kollegen, die spielten, obwohl sie nix auf der Hand hatten. Familiär hatte das zwei Folgen: Frau Ackerbau hat wahrscheinlich noch einmal neu bewertet, ob es nicht besser ist, dass ich keine Handyspiele spiele, und J.S. ist von meinem Gemotze so angezogen worden, dass er auch darum gebeten hat, die Handyapp zu bekommen. Und tatsächlich hat er - mit etwas Anleitung - sehr schnell die Schafkopf-Regeln verstanden. Wir haben inzwischen zahlreiche Schafkopf-Gespräche von Vater zu Sohn geführt und fachmännisch die Blätter bewertet, welches Spiel sie hergeben könnten. 

J.J. habe ich schon beigebracht, wie man Spatzen macht; J.S. lernt Schafkopf; beide haben ein paar bayerische Schimpfwörter von mir gelernt. Damit betrachte ich meine Verpflichtung zur Weitergabe bayerischen Kulturguts an meine Söhne als erfüllt. 


Kommentare:

  1. Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen.

    Arthur Schopenhauer

    *fröhlichenWochenstartMontagsgrußmiteinemASimÄrmel...hehe*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Schicksal mischt die Karten und wir sagen "Weiter".

      Löschen
  2. Wunderbar, wie das Brauchtum digital und familiär weitergegeben wird. Jetzt braucht die werte Frau Gemahlin eigentlich nur noch das Jodeldiplom.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann hat sie was Eigenes - genau. Dideldididödeldu

      Löschen
    2. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand im Allgäu mal gejodelt hätte. Es wurde eher gerülpst

      Löschen
  3. Wunderbar- so ein familäres Trainingscamp wird helfen, den einen oder anderen Sieg zu erringen. Nur aufpassen, Kinder lernen schneller, damit Du nicht von den Burschen über den Tisch gezogen wirst. Ich war übrigens öfter der fehlende Spieler beim Skat und habe immer das Spiel zerstört- ich kann nur Rommee und Canasta. Viel Spielfreude!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Natürlich wird der besser als ich. Und wahrscheinlich ist so eine App der bessere Lehrmeister als meine verpeilten Schulkameraden..

      Löschen