Everybody's fucked in his own special way

Donnerstag, 8. Juni 2017

Mitbringsel (2)

Letzthin fand Frau Ackerbau eine kleine lebende Maus bei uns in der Badewanne. Sie wurde von einer der Katzen in der Nacht angeschleppt, die lange vor der Schlafzimmertür maunzte, was wir aber ignorierten. Wir vermuten, es war Markos. Netterweise hat er die Maus in die Badewanne gesetzt, so dass sie nicht durch das ganze Haus rennen konnte. Frau Ackerbau hat ihr die Freiheit wiedergeschenkt. Die Tierärztin hat uns zwar erklärt, dass das ein besonderes Geschenk sei, wenn die Katze einem ein Tier lebend bringe, damit man es selbst töten könne, wir haben trotzdem entschieden, uns des Geschenks insoweit nicht würdig zu erweisen. 

Auch May, unser Kätzchen, will jetzt nicht nachstehen und bringt lebende Tiere mit. Da sie nicht die Jagd- und Killerinstinkte wie Markos hat, sind es im Wesentlichen Regenwürmer, die man aus  Badewanne, Wohnzimmer oder Diele retten muss. In unserem Garten sind die Tiere ja auch nützlicher als in der Badewanne. Sie schaut uns mit erwartungsvollem Gesicht an, wenn wir schnell versuchen, die Regenwürmer wieder ins Freie zu bringen. Ob sie mit unseren lobenden Worten zufrieden ist?

(Ich stelle fest, dass man über die Haustiere, denen es höchstwahrscheinlich egal ist, ob sie einen Regenwurm oder ein Verpackungsband anbringen, hier wunderbar psychologisieren könnte. Wie immer würden diese Vermutungen aber mehr über mich aussagen als über unsere braven Katzen.)

Kommentare:

  1. Die Katzen sind Katzen,
    kurz gesagt,
    und ihre Welt ist die der Katzen,
    von einem Ende zum andern.

    Rainer Maria Rilke

    .... habe auch zwei ♥ Prachtexemplare ♥
    leider mitohne Garten
    und mitohne lebendigen Geschenken (ړײ)

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    1. Wenn du Geschenke haben willst, ich schicke dir gerne ein paar Regenwürmer.

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  2. ach ja. die katzengeschenke. wir sind ihrer nicht würdig.

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    1. Die Katzen tolerieren uns, weil wir Essen zur Verfügung stellen.

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  3. Regenwurm und Verpackungsband sind noch harmlos. Bei Bandwurm dagegen würde ich vermutlich das Lob ein wenig bescheidener ausfallen lassen...

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    1. Der Kater bringt auch regelmäßig Zecken mit...

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  4. Oh, ja, Katzen lieben es zur Ernährung ihrer Familie beizutragen. Wir hatten auch mal einen Kater, der lebende Geschenke gebracht hat. Allerdings wollte er uns eindeutig nicht um den Genuss der Jagd bringen - also keine Badewanne. Ich kann mich noch gut erinnern, dass eine riesige Maus es mal geschafft hatte, sich oben auf den Kleiderständer im Flur zu retten, meine Mutter nur noch gekreischt hat, wir Kinder das saumäßig lustig fanden und unser Kater als das einzige jagderfahrene Mitglied der Familie aufgepasst hat, dass die Mahlzeit nicht entkommt.

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    1. Ich mag zwar Mäuse, aber eher nicht im Haus.

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    2. Kurz nach dem Umzug hierher wachte ich eines frühen Mor­gens vom Ra­dau in der be­nach­barten Küche auf. Dort kletterte ein winziges, maus­ähnliches Tier­chen mit riesigen schwarzen Knopf­augen (wahr­schein­lich eine Hasel­maus oder so) auf dem großen Edel­stahl­regal herum, während unten Krawall­katze Wanda wartete, die jüngste unserer damals drei und gerade auf ihren ersten nächt­lichen Jagd­aus­flügen im Gefolge des mächtigen Jagd­katers Franz. Von Lord Jimmy, dem alten Haus­herrn, wird später zu reden sein.

      Mutig warf ich mich in die Schlacht und verhaftete das Pseudo­mäus­lein, indem ich es am Schwanz packte – worauf es behende an letzterem hochkrabbelte und mich mit langen Nage­zähnen herz­haft in bzw. durch die Beere des kleinen Fingers biss. Großes Blut­bad, das Mäus­lein entkam in den Flur.

      Auftritt des o. e. alten Herrn, der mit drei un­er­hört schnellen Sätzen, die man dem arthritischen 15­jährigen Greis längst nicht mehr zu­ge­traut hatte, die Bestie erlegte. Noch mehr Blut­bad, ein schwer­ver­letz­ter Katzen­butler, und die Herr­schaf­ten machten sich ver­mut­lich noch monate­lang lustig über mein Miß­geschick.

      Allein das Gesicht des Hausarztes, als ich nächsten Morgen zwecks Tetanus­auf­frischung dort erschien und die Geschichte erzählte, war’s fast schon wert.

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    3. :-D
      Diese Geschichte haben deine Katzen mit Sicherheit von Generation zu Generation weiter erzählt! Nur um den "Kleinen" klar zu machen, dass diese zweibeinigen, jagdunfähigen Familienmitglieder ohne Katze im Haus verhungern würden.

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    4. Geschichten von Mäusen im Haus enden normalerweise blutig oder mit Mäusekötteln. Beides nicht meins.

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    5. Epilog:

      Wanda verschwand im Folgejahr auf einem der nächt­lichen Aus­flüge, vermut­lich über­fahren.

      Franz zog kurz danach aus, wurde nach einer halb­jährigen Wander­zeit im Haus­halt der da­ma­li­gen stell­ver­tre­ten­den FDP-Orts­vereins­vor­sitzen­den heimisch und zum Kaiser befördert. Manch­mal sehe ich ihn dort in der Gegend.

      Jimmys Asche wurde knapp vier Jahre nach den obigen Bege­ben­hei­ten an der Bie­gung des Baches ver­streut.

      Tja.

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    6. Das ist ein gewaltiger Epilog. Aber Hauskater beim stellvertretenden FDP-Ortsvereinsvorsitzenden hört sich nicht nach einer Verbesserung an....

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    7. Ich glaube, die Nebenjobs seines Per­so­nals sind ihm herzlich egal.

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  5. Ach. Mäuse im Haus. Ich kannte einst zwei Kater, die ließen diese unbehelligt. Wäre ja zu viel Aufwand gewesen...

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